Rentenlücke berechnen – warum ein früher Überblick so wichtig ist

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Wie hoch wird meine Rente tatsächlich sein? Reicht sie für meinen gewünschten Lebensstandard? Und wie viel zusätzliche Vorsorge ist notwendig?

Viele Menschen kennen ihre voraussichtlichen Alterseinkünfte nur ungefähr. Dabei ist ein realistischer Überblick eine wichtige Voraussetzung, um die eigene Altersvorsorge sinnvoll zu planen.

Die Rentenlücke zu berechnen bedeutet deshalb mehr, als die heutige Renteninformation mit dem aktuellen Nettogehalt zu vergleichen. Eine fundierte Ruhestandsplanung berücksichtigt neben der gesetzlichen Rente auch betriebliche und private Vorsorge, vorhandenes Vermögen, die gewünschte Lebensführung im Ruhestand sowie Annahmen zu Inflation, Steuern, Sozialabgaben und Lebenserwartung.

Finanzplaner Markus Herr aus Fulda unterstützt Mandanten dabei, ihre voraussichtliche Versorgungssituation im Ruhestand strukturiert zu analysieren und daraus mögliche Handlungsoptionen für die weitere Altersvorsorge abzuleiten.

Was ist eine Rentenlücke?

Vereinfacht beschreibt die Rentenlücke die Differenz zwischen dem finanziellen Bedarf im Ruhestand und den voraussichtlich zur Verfügung stehenden Alterseinkünften.

Die Grundidee lautet:

Gewünschter finanzieller Bedarf im Ruhestandminus voraussichtliche Netto-Alterseinkünfte= mögliche Renten- beziehungsweise Versorgungslücke

In der Praxis ist die Berechnung allerdings komplexer.

Denn auf der Einnahmenseite können beispielsweise stehen:

  • gesetzliche Rente
  • betriebliche Altersversorgung
  • private Rentenversicherungen
  • Versorgungswerke
  • Pensionen
  • sonstige regelmäßige Alterseinkünfte
  • geplante Entnahmen aus Kapitalvermögen
  • gegebenenfalls Einnahmen aus Immobilien

Auf der anderen Seite steht der individuelle finanzielle Bedarf im Ruhestand.

Er hängt unter anderem davon ab,

  • wie hoch die laufenden Lebenshaltungskosten voraussichtlich sein werden,
  • ob eine Immobilie abbezahlt oder weiterhin finanziert wird,
  • welche Reise- und Freizeitwünsche bestehen,
  • welche finanziellen Verpflichtungen fortbestehen,
  • welche Reserven für größere Ausgaben vorgesehen werden
  • und welcher finanzielle Spielraum langfristig gewünscht ist.

Deshalb gibt es nicht die eine Rentenlücke, die für jeden Menschen nach derselben Formel berechnet werden kann.

Warum die Renteninformation allein noch keine Ruhestandsplanung ist

Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Sie zeigt unter anderem die bisher erworbenen Rentenansprüche und enthält Hochrechnungen zur möglichen zukünftigen gesetzlichen Rente.

Für eine vollständige Ruhestandsplanung reicht diese Information allein jedoch nicht aus.

Ein wichtiger Punkt: Die in der Renteninformation genannten Rentenbeträge sind Bruttowerte. Von der späteren gesetzlichen Rente können noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Einkommensteuer abgehen. Die Deutsche Rentenversicherung weist darauf in der Renteninformation ausdrücklich hin.

Auch die Kaufkraft muss berücksichtigt werden.

Eine Rente von beispielsweise 2.000 Euro in einigen Jahrzehnten hat nicht zwangsläufig dieselbe Kaufkraft wie 2.000 Euro heute. Die Deutsche Rentenversicherung weist deshalb ebenfalls darauf hin, dass ihre Rentenprognosen den zukünftigen Kaufkraftverlust nicht unmittelbar berücksichtigen.

Für eine fundierte Planung sollten deshalb nominale zukünftige Beträge und ihre mögliche reale Kaufkraft sauber auseinandergehalten werden.

Reicht die gesetzliche Rente für den Lebensstandard?

Eine pauschale Antwort für jeden Einzelnen wäre unseriös.

Die Verbraucherzentrale weist allerdings darauf hin, dass die gesetzliche Rente für die meisten Menschen voraussichtlich nicht ausreichen wird, um den bisherigen Lebensstandard im Alter vollständig aufrechtzuerhalten.

Das häufig genannte Rentenniveau von 48 Prozent darf dabei nicht mit „48 Prozent des letzten Gehalts“ verwechselt werden.

Das Rentenniveau ist eine standardisierte Vergleichsgröße. Es setzt eine sogenannte Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst ins Verhältnis zu einem Durchschnittsentgelt – jeweils nach Sozialbeiträgen und vor Steuern. Die Deutsche Rentenversicherung stellt ausdrücklich klar, dass daraus nicht folgt, dass die persönliche Rente 48 Prozent des letzten Einkommens beträgt.

Wie groß eine persönliche Versorgungslücke tatsächlich ist, kann deshalb nur anhand der individuellen Situation beurteilt werden.

Rentenlücke berechnen: Welche Daten werden benötigt?

Eine belastbare Planungsrechnung beginnt mit einer strukturierten Datengrundlage.

1. Voraussichtliche gesetzliche Rente

Ausgangspunkt sind die Informationen der gesetzlichen Rentenversicherung beziehungsweise anderer Versorgungssysteme.

Dabei sollte berücksichtigt werden, auf welchen Annahmen die ausgewiesenen Prognosen beruhen und welches Renteneintrittsalter zugrunde gelegt wird.

2. Betriebliche und private Altersvorsorge

Auch bestehende Vorsorgeverträge müssen in die Betrachtung einbezogen werden.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • betriebliche Altersversorgung
  • private Rentenversicherungen
  • Basisrenten
  • Riester-Verträge
  • Versorgungswerke
  • weitere private Vorsorgelösungen

Entscheidend ist nicht allein, welchen Vertragswert eine Vorsorge heute hat, sondern welche Leistungen unter bestimmten Annahmen im Ruhestand tatsächlich zur Verfügung stehen könnten.

3. Vermögen und Kapitalanlagen

Auch vorhandenes Vermögen kann Bestandteil der Ruhestandsplanung sein.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Bankguthaben
  • Wertpapierdepots
  • Investmentfonds
  • Beteiligungen
  • Immobilien
  • sonstiges verwertbares Vermögen

Dabei muss unterschieden werden zwischen Vermögen, das im Ruhestand tatsächlich zur Finanzierung des Lebensunterhalts eingesetzt werden soll, und Vermögen, das dauerhaft erhalten oder beispielsweise weitergegeben werden soll.

4. Finanzielle Verpflichtungen

Auf der anderen Seite stehen bestehende Verpflichtungen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Immobilienfinanzierungen
  • sonstige Darlehen
  • Unterhaltsverpflichtungen
  • laufende Versicherungsbeiträge
  • andere langfristige Zahlungsverpflichtungen

Auch die Frage, wann diese Belastungen voraussichtlich enden, kann für die Ruhestandsplanung erheblich sein.

5. Gewünschter Lebensstandard im Ruhestand

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Statt pauschal einen bestimmten Prozentsatz des letzten Einkommens anzusetzen, ist es häufig sinnvoller, die voraussichtlichen Ausgaben im Ruhestand individuell zu betrachten.

Einige Kosten können sinken, andere bleiben bestehen oder können steigen.

Relevant können beispielsweise sein:

  • Wohnen
  • Mobilität
  • Reisen und Freizeit
  • Gesundheit
  • Unterstützung von Kindern oder anderen Angehörigen
  • Instandhaltung von Immobilien
  • Rücklagen für größere Ausgaben
  • gewünschte finanzielle Reserven

Auf dieser Grundlage lässt sich ein realistischerer finanzieller Bedarf ableiten.

Die Digitale Rentenübersicht als zusätzliche Informationsquelle

Seit einigen Jahren gibt es neben den einzelnen Renten- und Vorsorgeinformationen auch die Digitale Rentenübersicht.

Sie wird unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung Bund bereitgestellt und bündelt Informationen über Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge in einer zentralen Übersicht. Die Nutzung ist freiwillig und kostenfrei.

Die Digitale Rentenübersicht kann deshalb eine hilfreiche Datengrundlage für die persönliche Altersvorsorgeplanung sein.

Sie beantwortet allerdings noch nicht automatisch die entscheidende Frage:

Reichen diese Ansprüche für meinen persönlichen finanziellen Bedarf im Ruhestand?

Genau für diese Einordnung ist eine weiterführende Ruhestandsplanung erforderlich.

Warum eine Rentenlücke keine exakte Zukunftszahl ist

Bei einer langfristigen Planung ist eine wichtige Einschränkung zu beachten:

Niemand kann heute exakt berechnen, wie die finanzielle Situation eines Menschen in 20 oder 30 Jahren aussehen wird.

Eine Rentenlückenberechnung arbeitet zwangsläufig mit Annahmen.

Dazu gehören unter anderem Annahmen über:

  • zukünftige Einkommen
  • Rentenentwicklung
  • Inflation
  • Kapitalmarktrenditen
  • Kosten
  • Sparleistungen
  • Renteneintritt
  • Lebenserwartung
  • zukünftige Steuer- und Sozialversicherungssysteme

Deshalb ist eine seriöse Rentenberechnung keine Garantie und keine exakte Vorhersage.

Sie ist vielmehr eine Planungsrechnung:

Wenn sich bestimmte Annahmen ungefähr so entwickeln, welche finanzielle Situation könnte daraus entstehen?

Gerade deshalb können mehrere Szenarien sinnvoller sein als eine einzige vermeintlich exakte Zahl.

Mit Szenarien statt Scheingenauigkeit planen

Eine fundierte Ruhestandsplanung kann beispielsweise verschiedene Szenarien gegenüberstellen:

  • Was verändert sich bei einem früheren oder späteren Renteneintritt?
  • Welche Auswirkungen hat eine höhere oder niedrigere Sparrate?
  • Wie verändert sich der Kapitalbedarf bei unterschiedlichen Inflationsannahmen?
  • Was passiert bei unterschiedlichen Entwicklungen des Anlagevermögens?
  • Wie lange soll vorhandenes Kapital rechnerisch ausreichen?
  • Welche Reserve soll auch im hohen Alter noch vorhanden sein?

Solche Berechnungen machen mögliche Auswirkungen verschiedener Entscheidungen sichtbar.

Sie können die Zukunft nicht vorhersagen – aber sie können helfen, heutige Entscheidungen besser einzuordnen.

Warum ein früher Überblick Vorteile haben kann

Je früher eine mögliche Versorgungslücke erkannt wird, desto mehr Zeit bleibt grundsätzlich, unterschiedliche Handlungsoptionen zu prüfen.

Das bedeutet nicht, dass jede Person möglichst früh möglichst viel Geld investieren sollte.

Ein früherer Planungsbeginn kann jedoch mehr Möglichkeiten eröffnen:

  • Sparbeträge können über einen längeren Zeitraum verteilt werden,
  • bestehende Vorsorge kann früher überprüft werden,
  • Fehlentwicklungen können früher erkannt werden,
  • der gewünschte Rentenbeginn kann langfristiger geplant werden,
  • und Vermögensaufbau hat einen längeren möglichen Anlagehorizont.

Bei Anlagen mit positiver Wertentwicklung kann zusätzlich der Zinseszinseffekt eine Rolle spielen: Wiederangelegte Erträge können über längere Zeit selbst weitere Erträge erwirtschaften.

Eine bestimmte Wertentwicklung ist bei Kapitalanlagen allerdings nicht garantiert.

Deshalb ist der Vorteil eines frühen Starts nicht allein „mehr Rendite“, sondern vor allem mehr Zeit und mehr planerischer Handlungsspielraum.

Was passiert, wenn ich erst später mit der Altersvorsorge beginne?

Auch dann ist eine Planung sinnvoll.

Je näher der Ruhestand rückt, desto stärker verschiebt sich allerdings häufig der Schwerpunkt.

Bei einer Person Anfang 30 geht es möglicherweise vor allem um langfristigen Vermögensaufbau und Flexibilität.

Mit Mitte 40 oder Anfang 50 können Fragen hinzukommen wie:

  • Welche Versorgung ist bereits vorhanden?
  • Welche Sparleistung ist realistisch?
  • Soll eine Immobilienfinanzierung vor dem Ruhestand beendet werden?
  • Wie verändert ein gewünschter früherer Renteneintritt die Planung?
  • Welches Risiko ist bei Kapitalanlagen noch angemessen?

Kurz vor dem Ruhestand stehen wiederum häufig andere Themen im Mittelpunkt:

  • Wie hoch sind die voraussichtlichen monatlichen Alterseinkünfte?
  • Welche Kapitalanlagen sollen weitergeführt werden?
  • Welche Beträge werden regelmäßig benötigt?
  • Wie viel Liquidität sollte verfügbar sein?
  • Wie kann vorhandenes Vermögen über einen längeren Ruhestand eingesetzt werden?
  • Welche finanziellen Reserven sollen erhalten bleiben?

Ruhestandsplanung verändert sich mit der Lebensphase.

Deshalb gibt es keinen Zeitpunkt, ab dem eine Beschäftigung mit dem Thema grundsätzlich „zu spät“ wäre. Die verfügbaren Optionen können sich mit kürzer werdendem Planungshorizont jedoch verändern.

Altersvorsorge bedeutet mehr als nur Sparen

Eine tragfähige Ruhestandsplanung betrachtet nicht ausschließlich die Frage, wie viel Kapital angespart wird.

Mehrere weitere Bereiche können entscheidend sein.

Arbeitskraft und laufendes Einkommen

Während der Erwerbsphase bildet das Einkommen für viele Menschen die Grundlage für Vermögensaufbau und Altersvorsorge.

Fällt dieses Einkommen längerfristig aus, kann das auch die Möglichkeiten zur weiteren Vorsorge beeinträchtigen.

Welche Absicherung sinnvoll ist, hängt dabei stark von der persönlichen Situation und dem jeweiligen Versorgungssystem ab.

Für Angestellte, Selbstständige und Beamte können beispielsweise unterschiedliche Ausgangsbedingungen gelten.

Liquidität im Ruhestand

Ein hohes Vermögen bedeutet nicht automatisch hohe verfügbare Liquidität. Das gilt insbesondere bei Immobilien oder anderen langfristig gebundenen Vermögenswerten. Eine Ruhestandsplanung sollte deshalb auch betrachten, welche regelmäßigen Einnahmen und frei verfügbaren Mittel voraussichtlich vorhanden sein werden.

Inflation und Kaufkraft

Langfristige Altersvorsorge sollte nicht nur nominale Geldbeträge betrachten. Entscheidend ist auch, welche Kaufkraft diese Beträge später voraussichtlich haben könnten. Inflationsannahmen gehören deshalb zu einer langfristigen Planungsrechnung.

Steuern und Sozialabgaben

Auch Abgaben können die tatsächlich verfügbaren Alterseinkünfte beeinflussen. Bei der gesetzlichen Rente hängt die steuerliche Behandlung unter anderem vom Jahr des Rentenbeginns und von der gesamten persönlichen Einkommenssituation ab. In einer Finanzplanung können solche Rahmenbedingungen auf Basis der jeweils geltenden Regeln berücksichtigt werden.

Eine individuelle steuerliche Beratung oder Gestaltung ist davon zu unterscheiden und gehört in die Hände eines Steuerberaters beziehungsweise einer entsprechend befugten Person.

Immobilien in der Ruhestandsplanung

Eine selbst genutzte Immobilie kann die finanzielle Situation im Ruhestand erheblich beeinflussen.

Sie kann beispielsweise dazu führen, dass keine Miete mehr gezahlt werden muss. Gleichzeitig können aber weiterhin Kosten entstehen, unter anderem für:

  • Instandhaltung
  • Modernisierung
  • Grundsteuer
  • Versicherungen
  • laufende Nebenkosten

Eine Immobilie ist außerdem Vermögen, aber nicht automatisch monatlich verfügbare Liquidität.

Deshalb sollte bei der Berechnung einer möglichen Rentenlücke klar unterschieden werden zwischen Vermögenswert und verfügbarem Einkommen.

Je nach persönlicher Planung können später unterschiedliche Möglichkeiten eine Rolle spielen – etwa Eigennutzung, Vermietung, Verkauf oder andere Formen der Nutzung. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab.

Erbschaften nur vorsichtig einplanen

Eine erwartete Erbschaft kann bei langfristigen Finanzentscheidungen leicht zu einer vermeintlichen Sicherheit führen.

Solange Zeitpunkt und Höhe nicht hinreichend verlässlich feststehen, sollte eine mögliche Erbschaft deshalb nicht selbstverständlich als sichere Grundlage der Altersvorsorge behandelt werden.

Sie kann beispielsweise in einem zusätzlichen Szenario berücksichtigt werden:

Wie sieht die Planung ohne Erbschaft aus – und was würde sich verändern, wenn später zusätzlich Vermögen zufließt?

Damit bleibt die eigene Ruhestandsplanung auch dann tragfähig, wenn sich Erwartungen verändern.

Wie kann eine mögliche Rentenlücke geschlossen werden?

Erst wenn die Ausgangssituation analysiert wurde, stellt sich die Frage nach möglichen Maßnahmen.

Je nach persönlicher Situation können beispielsweise relevant sein:

  • Anpassung der regelmäßigen Sparleistung
  • Aufbau zusätzlicher privater Altersvorsorge
  • betriebliche Altersversorgung
  • langfristiger Vermögensaufbau
  • Anpassung vorhandener Anlagen
  • Veränderung des geplanten Renteneintritts
  • Abbau bestehender Verbindlichkeiten
  • Anpassung des gewünschten Ausgabenniveaus
  • strategische Einbindung von Immobilien oder anderem Vermögen

Welche Maßnahmen tatsächlich geeignet sind, hängt unter anderem von Einkommen, Vermögen, Anlagehorizont, Risikobereitschaft, bestehenden Verträgen und persönlichen Zielen ab.

Eine Rentenlückenberechnung sollte deshalb nicht mit einem Produkt beginnen.

Zunächst sollte geklärt werden, ob überhaupt eine Versorgungslücke besteht und wie groß sie unter nachvollziehbaren Annahmen sein könnte.

Erst danach kann geprüft werden, welche Lösungen für die konkrete Situation in Betracht kommen.

Rentenlücke bei Paaren und Familien

Bei Paaren sollte die Ruhestandsplanung nicht zwingend für jede Person vollständig isoliert erfolgen.

Relevant können beispielsweise sein:

  • unterschiedliche Einkommen
  • unterschiedliche Rentenansprüche
  • gemeinsame Immobilien
  • gemeinsame Darlehen
  • unterschiedliche Renteneintrittszeitpunkte
  • betriebliche oder private Vorsorge beider Partner
  • gegenseitige finanzielle Absicherung
  • Hinterbliebenenversorgung

Auch Phasen mit reduziertem Einkommen – beispielsweise durch Elternzeit – können sich langfristig auf die Vorsorgesituation auswirken.

Eine gemeinsame Betrachtung kann deshalb helfen, die Versorgung des gesamten Haushalts besser einzuordnen.

Rentenlücke bei Selbstständigen und Unternehmern

Bei Selbstständigen und Unternehmern kann die Ruhestandsplanung zusätzliche Besonderheiten aufweisen.

Nicht jeder verfügt über dieselben Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung wie ein langjährig sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer.

Stattdessen können beispielsweise vorhanden sein:

  • private Altersvorsorge
  • Versorgungswerke
  • Betriebsvermögen
  • Unternehmensbeteiligungen
  • Immobilien
  • Wertpapiervermögen
  • geplante Erlöse aus einem späteren Unternehmensverkauf

Gerade der erwartete Wert eines Unternehmens sollte dabei nicht einfach als sicher verfügbare Altersvorsorge angesetzt werden.

Eine sinnvolle Planung kann deshalb verschiedene Szenarien betrachten und privates Vermögen, Unternehmensvermögen und zukünftige Zahlungsströme sauber voneinander unterscheiden.

Wie oft sollte die Rentenlücke neu berechnet werden?

Eine einmal berechnete Versorgungslücke bleibt nicht zwangsläufig über Jahrzehnte unverändert.

Sie kann sich verändern, wenn sich beispielsweise

  • Einkommen,
  • Sparraten,
  • Rentenansprüche,
  • Vermögen,
  • Kapitalmärkte,
  • Immobilienwerte,
  • Familienstand,
  • gewünschter Rentenbeginn
  • oder persönliche Ziele

verändern.

Deshalb kann es sinnvoll sein, die Ruhestandsplanung regelmäßig beziehungsweise bei größeren Lebensereignissen zu aktualisieren.

Entscheidend ist nicht, jedes Jahr eine vollkommen neue Strategie zu entwickeln. Vielmehr sollte überprüft werden, ob die bisherigen Annahmen und Ziele noch zur aktuellen Situation passen.

Rentenlücke berechnen lassen in Fulda

Wer wissen möchte, ob die voraussichtlichen Alterseinkünfte zum gewünschten Lebensstandard passen, sollte zunächst die vorhandenen Daten zusammenführen.

Markus Herr aus Fulda unterstützt Mandanten dabei, ihre Altersvorsorge und Ruhestandsplanung strukturiert zu betrachten.

Zu seinen Qualifikationen zählen unter anderem CERTIFIED FINANCIAL PLANNER® (CFP®), EFA® sowie die Qualifikation als geprüfter privater Finanzplaner nach DIN ISO 22222. Nach eigenen Angaben ist Markus Herr seit mehr als 30 Jahren in der Finanzbranche tätig und betreut mit seinem Team mehr als 10.000 Haushalte in Hessen und Thüringen.

Im Mittelpunkt einer Ruhestandsplanung stehen zunächst Fragen wie:

Welche Alterseinkünfte sind voraussichtlich vorhanden?

Welcher finanzielle Bedarf besteht im Ruhestand?

Welche Annahmen liegen der Berechnung zugrunde?

Und welche Handlungsoptionen ergeben sich daraus?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann sinnvoll beurteilt werden, ob zusätzliche Vorsorge erforderlich ist und welche Maßnahmen zur individuellen Situation passen könnten.

Fazit: Die Rentenlücke ist eine Planungsgröße, keine Schicksalszahl

Eine Rentenlücke sollte weder dramatisiert noch ignoriert werden.

Sie ist zunächst eine Planungsgröße, die dabei helfen kann, die eigene Versorgungssituation im Ruhestand verständlicher zu machen.

Eine fundierte Berechnung berücksichtigt deshalb nicht nur die gesetzliche Rente, sondern das gesamte finanzielle Bild: betriebliche und private Vorsorge, Vermögen, Verpflichtungen, persönlichen Bedarf, Inflation, Abgaben und verschiedene Zukunftsszenarien.

Je früher ein solcher Überblick entsteht, desto mehr Zeit bleibt in der Regel, unterschiedliche Möglichkeiten zu prüfen.

Das Ziel besteht dabei nicht darin, eine möglichst große Sparrate oder ein bestimmtes Finanzprodukt zu verkaufen.

Das Ziel ist zunächst Klarheit: Wo stehe ich heute, welche Versorgung kann ich voraussichtlich erwarten – und welche Entscheidungen kann ich auf dieser Grundlage treffen?

Hinweis: Berechnungen zur Altersvorsorge und Rentenlücke beruhen insbesondere bei langfristigen Betrachtungen auf Annahmen und Prognosen. Zukünftige Renten, Inflation, Kapitalmarktentwicklungen, Steuern und Sozialabgaben können sich verändern. Eine Finanzplanung kann zukünftige Ergebnisse daher nicht garantieren. Die Berücksichtigung steuerlicher oder rechtlicher Rahmenbedingungen ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.